Losgehen ohne ankommen zu wollen – Festival, Aktionen und Veröffentlichungen zur internationalen Vagabundenbewegung.

1929, 1981, 2020: Fast hundert Jahre nach dem ersten Vagabundenkongress trafen sich Wohnungslose, Nomad*innen, Penner*innen, Traveller und Sympatisant*innen auf dem Mariannenplatz in Berlin- Kreuzberg.

Über den Vagabundenkongress

Vor knapp hundert Jahren gab es mit der internationalen Vagabundenbewegung bereits eine Alternativkultur, die von Obdachlosen getragen wurde. Die »Bruderschaft der Vagabunden« wurde 1927 von Gregor Gog gegründet, war anarchistisch geprägt und stand anarchosyndikalistischen Kreisen nah. Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise waren Hundertausende Menschen in Deutschland obdachlos. Die Bewegung gab den umherziehenden »Landstreichern«, den Außenseitern und Ausgestoßenen der Gesellschaft eine Stimme und propagierte die Prinzipien von gegenseitiger Hilfe und Solidarität. Der Bruderschaft fühlten sich Anarchistinnen, Künstlerinnen und Freigeistern aller Art verbunden. Auf dem »Weltkongress der Vagabunden« 1929 in Stuttgart sprachen Autorinnen und Künstlerinnen wie Jo Mihaly, Erich Mühsam, Maxim Gorki oder Theodor Lessing. Gregor Gog rief den »Generalstreik das Leben lang! Lebenslänglich Generalstreik!« aus und machte die Bewegung zum Schrecken der Bürger und Behörden.

Ähnlich wie heutige Alternativbewegungen gründeten die Vagabunden Künstlergruppen, organisierten Ausstellungen, reisten umher, hinterließen Tags in den Straßen (bekannt als Räuberzinken) und trafen sich in anarchistischen Kommunen auf dem Land, um dort ein freieres, selbstbestimmtes Leben führen zu können. Nach 1933 wurde die Bruderschaft von den Nazis zerschlagen, viele ihrer Anhänger wurden als sogenannte »Asoziale« in KZs gebracht. Ihre Geschichte ist in Vergessenheit geraten und wird gerade erst wieder aufgearbeitet.

Mit Siebdrucken, Ankündigungen in Obdachlosen-Zeitschriften und einem eigenen Magazin, das die historischen, theoretischen und politischen Aspekte der Bewegung behandelte, mobilisierte das Czentrifuga-Kollektiv zwei Jahre lang für den Vagabundenkongress 2020. Aufgrund des Ausbruchs der Corona-Pandemie zu Beginn des Jahres konnte der Kongress nur mit großen Eingeschränkungen stattfinden.