Interventionen zu Kolonialismus im Stadtraum, 2020.
Afrikanisches Viertel, Berlin-Wedding.

Umgestaltung des Bahnhofs Afrikanische Straße in Berlin-Wedding.
Temporäre Ausstellung zu Deutschen Kolonialverbrechen.

Die Spuren des deutschen Kolonialismus und seiner Auswirkungen sind im Berliner Stadtraum sehr präsent. Besonders eindrücklich ist das »Afrikanische Viertel« im Bezirk Wedding, wo ein Großteil der Straßennamen auf die deutschen Kolonien Bezug nimmt, ohne das Leid zu thematisieren, das sie über Afrika brachten. Der U-Bahnhof Afrikanische Straße zeigt z. B. ausschließlich exotisierende Bilder von wilden Tieren wie Löwen oder Zebras, was dem beschönigenden Bild entspricht, das die damaligen Kolonialisten von ihren abenteuerlichen Reisen vermitteln wollten. Hier trifft der Nettelbeckplatz – benannt nach einem Steuermann von Sklavenschiffen – auf den Nachtigalplatz – nach einem der treibenden Kräfte des deutschen Kolonialismus in Afrika – oder die Petersallee – nach einem bekennenden Rassisten und Begründer der Kolonie Deutsch-Ostafrika.

Eine Aktion der Anti Colonial Action Berlin (ACAB), eines Zusammenschlusses von Künstlerinnen und antirassistischen Aktivistinnen, wollte mit dieser Normalität brechen und verwandelte den U-Bahnhof Afrikanische Straße innerhalb von wenigen Minuten in eine öffentliche Ausstellung zu deutschen Kolonialverbrechen, die mit den Straßennamen in Verbindung stehen. Sie schrieben mit schwarzer Farbe jeweils den Namen einer Straße an die Wand des Bahnhofs, zusammen mit Informationen zu den jeweiligen Verbrechen, die von den Namensträgern begangen wurden. Außerdem fügten sie die Namen von Menschen hinzu, die Widerstand gegen den Kolonialismus geleistet haben, wie z. B. Amilcar Cabral (Unabhängigkeitskämpfer Guinea-Bissaus), Nana Yaa Asantewaa (führte den Aufstand der Aschanti gegen die britische Herrschaft im späteren Ghana an) oder Samuel Maharero (beteiligt am Aufstand der Herero gegen die deutschen Truppen in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia).

Leider war die Ausstellung nicht lange zu sehen. Obwohl die Berliner Verkehrsbetriebe normalerweise mindestens ein paar Tage für die Beseitigung von Graffiti benötigen, wurden die Schriftzüge noch in derselben Nacht unkenntlich gemacht und dann entfernt. Die Aktion scheint einen Nerv getroffen zu haben. Das Kollektiv dokumentierte den Entstehungsprozess und veröffentlichte die Ausstellung schließlich digital im Internet.

Installationen von Rocco und seine Brüder im Afrikanischen Viertel
Straßenschilder mit Bezug zu Kolonialverbrechen, abgeflext im Afrikanischen Viertel und neu installiert am Pekinger Platz in Wedding. So soll darauf hingewiesen werden, dass es auch in China deutsche Kolonien gab.

»You can’t rename Shame«, Rocco und seine Brüder
»Ihr könnt mich umbenennen, aber ich werde immer noch da sein«: Nach jahrzehntelangem Protest vor allem aus der Schwarzen Community wurde im Sommer 2020 vom Bezirk die Umbenennung der Mohrenstraße bechlossen. »Mohr« ist ein abwertendes Wort für Schwarze Menschen, der Name stammt aus der Zeit des Kolonialismus und der Sklaverei.

Fotos: Anti Colonial Action; Rocco und seine Brüder.

VIDEO: Streetart vs. Kolonialismus (Arte Tracks, 11/2020)