Bau eines Treffpunkts auf der Cuvrybrache in Berlin-Kreuzberg von dem Kollektiv Die Räuber und Freund*innen. Beginn der Besetzung der Brache. Am 23. Juli 2012 organisierten die neuen Nutzer*innen ein Festival gegen eine angekündigte Räumung durch den Eigentümer.
Die Cuvry-Brache war für mehrere Jahre eine eigenwillige Dorfgemeinschaft im Freien, mitten in der Stadt. Ein unregulierter Freiraum, wo es möglich war, sich zum Lagerfeuer am Ufer zu treffen, Wände zu malen oder sogar mal eine Nacht im Zelt zu verbringen. Die Cuvry hatte nicht nur einen Nachbarschaftsgarten sondern auch eine Umsonst-Bibliothek. Zwischenzeitlich wohnten mehrere Hundert Aussteiger, Obdachlose und Künstler*innen dort.
Die Cuvrybrache wurde im September 2014 nach einem Brand von der Polizei geräumt. Trotz Protesten befinden sich dort heute teure Gewerberäume u.a. des Versandhandels Zalando.
Reäuberläb Nutzungskonzept für die Freifläche an der Cuvrystraße in Kreuzberg (08/2012)
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- Einführung in die Begleitumstände
Die Freifläche an der Schlesischen Straße Ecke Cuvrystraße ist seit gut 15 Jahren frei zugänglich.
Wechselnde Investoren und Eigentümer störten immer wieder den auf dem rund 8400m2 großen Areal gut gedeihenden Kultur- und Chilldrang der Ansässigen und Neuankömmlinge in Kreuzberg.
So vertrieben zum Beispiel eben diese Investoren das Yaam von dem Gelände, ohne in der Folge irgendetwas außer heiße Luft, Papierkrieg und Polizeieinsätze zu produzieren.
Die Kreuzberger Freifläche ist ein Ort an dem inzwischen viele Menschen leben und Kultur machen. Es ist ein schützenswertes Biotop entstanden und das kleine Zeltdorf hat einen Garten angelegt. Hier gibt es einen freien Zugang zum Spreeufer für alle.
Am 18.07 wurde wiedereinmal Papier produziert und die dort lebenden und schaffenden Menschen wurden aufgefordert zum 23.07 das Grundstück zu verlassen, mit der Drohung:
„Ab Dienstag, den 24.07werden wir das Grundstück frei räumen lassen und die Entfernung der
Zelte veranlassen.
Wir weisen vorsorglich darauf hin, dass Sie unbefugt das Grundstück nutzen und bei Verbleiben der
Tatbestand des Hausfriedensbruchs besteht.
Mit freundlichen Grüßen
Nieto GmbH & Co. Verwaltungs KG“
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Daraufhin beschloss das Kollektiv welches das Reäuberläb aufbaut, einen dort seit dem 11.07 entstehenden Kulturraum, gemeinsam mit vielen der Langzeitbewohner der Brache die Räumung zu verhindern.
Es gab ein Musikfestival vom 23.-24.07. Eine Räumung fand nicht statt. Stattdessen würden früh Morgens zwei LKW-Fahrer die Zaunteile anlieferten, mit denen das geräumte Gelände umzäunt werden sollte, wieder nach Hause geschickt.
Auch wurden die zwei Polizeihubschrauber, die die Brache mehrfach beäugten, enthusiastisch begrüßt, eben so wie die vereinzelten Wannen die zügig in die Cuvrystraße bogen, um langsam zurücksetzend wieder zu verschwinden.
Nun geht das Leben auf der Cuvry seinen gewohnten Lauf. Menschen kommen hinzu, ziehen weiter, es gibt Veranstaltungen und kleine Grillkreise. Zahlreiche Touristengruppen machen Fotos von den Graffitis und inzwischen auch den Tippis und dem Läb.
Laut Berichten in den Medien hält die Polizei sich an die „Berliner Linie“, weil sie nicht räumt so lange kein Nutzungskonzept des Eigentümers vorliegt. Wir freuen und natürlich über diese relativ fortschrittliche Einstellung der Berliner Polizei gegenüber Eigentum. Trotzdem würde aber auch ein Nutzungskonzept von einem Investor nichts daran ändern, dass hier bereits Menschen leben, dass diese Freifläche 15 Jahre von allen genutzt werden konnte, dass all jene die die Cuvry genutzt haben und weiterhin nutzen wollen sich auch dem nächsten Räumungsversuch in den Weg stellen werden.
Wir haben uns hier unser Recht auf Stadt selbst genommen und wir werden es uns nicht nehmen lassen, um Platz für noch mehr Luxuslofts, Townhouses oder ein Einkaufszentrum zu machen.
- Wer hat Recht worauf?
Am Beispiel Land.
Land wurde von niemandem hergestellt. Land wird nicht produziert. Deswegen kann auch ein Besitztitel über Land von niemandem rechtmäßig erworben worden sein. Land ist keine Ware, da es nicht durch Arbeit erzeugt wird. Land ist einfach da und es steht denen zu es (gegebenenfalls gemeinschaftlich) zu Nutzen, die dadurch ihre Bedürfnisse erfüllen. Das Land unter den herrschenden kapitalistischen Verhältnissen trotzdem als Ware behandelt wird, ist ein Beispiel dafür, wie weit wir Menschen uns in unseren Beziehungen zueinander, in unserer Beziehung zur Natur und von der kritischen Vernunft, entfernt haben.
- Wer hat Recht worauf?
Ein bestimmtes Stückchen Erde.
Nichtdestotrotz geht es uns, auch wenn dies ein bisschen theoretische Grundlage liefert, hier nicht um Land im allgemeinen, sondern um ein ganz spezielles Stückchen Land in Kreuzberg. Die Cuvry-Brache. Wir setzen uns dafür ein, dass für diese Freifläche gelte, was für alles Land gelten sollte.
Wir richten dabei Forderungen an die sogenannten Eigentümer und die Eliten im politischen Betrieb die, auch wenn sie in Teilen sehr konkret sind, nur darauf abzielen mithilfe der für solch ein Anliegen nicht geschaffenen Instrumente der Verwaltung die verwalterische Autonomie der Cuvry zu wahren und weiteren Angriffen vorzubeugen.
Cuvry bleibt! Und zwar so wie sie ist!
- Forderungen
1.) An die Eigentümer in Vertretung durch die Nieto GmbH & Co. Verwaltungs KG
1.2) Überlassung des Grundstücks für eine symbolische Pacht von 1 Euro.
1.3) Ein nicht allzu dreistes Angebot an die Stadt zur Rekommunalisierung des Grundstücks.
1.4) Maßnahmen zur Erleichterung der Instandhaltung des Geländes:
Ein Zugang zu einem Strom- und Wasseranschluß.
Mindestens zwei Toilettenhäuschen, die regelmäßig (mind. alle zwei Wochen)geleert
werden.
2.) An die Gesetzgeber
2.2) Wir fordern eine rekommunalisierung der Freifläche durch die Stadt Berlin.
2.3) Wir fordern das die Freifläche wie bisher Freifläche bleibt, ohne jegliche Form einer durch Investoren oder kommerzieller Sponsoren geförderter Bebauung oder Veranstaltungen.
2.4) Wir fordern das die Cuvry, so wie wir es momentan aufrecht erhalten, ein Ort bleibt, an dem alle Menschen mit Rücksicht auf die anderen hier lebenden und schaffenden Gruppen, Gemeinschaften und Individuen in solidarischer und freier Assoziation leben und unkommerzielle Projekte verwirklichen können.
2.5) Wir wollen hier keinen Park mit Öffnungszeiten, keinen Regularien unterworfenen Campingplatz, keinen neuen Musik-Club, kein verwaltendes Organ, Institution oder Verein. Wir wollen das tun worauf wir Lust haben und der Rest der Welt ist herzlich dazu eingeladen mitzumachen.
2.5) Bitte halten sie die BSR dazu an, uns zur Müll Entsorgung Tonnen bereit zu stellen und diese auch entsprechend zu entleeren.
2.6) Übernahme der Kosten der bis zur Rekommunalisierung vom sogenannten Eigentümer finanzierten Maßnahmen zur Erleichterung der Instandhaltung des Geländes (1.4).
2.7) Auf dem Gelände soll das Ordnungsamt keinen Zutritt haben.
2.8) Die Polizei darf das Gelände nur betreten, nachdem sie ausdrücklich von dort lebenden Menschen dazu aufgefordert wurde.
3.) An die Andern
Wir fordern den Rest der Galaxies auf mit uns über unsere Forderungen, unser daraus resultierendes Nutzungskonzept und eigene Ideen zu diskutieren – wann immer ihr möchtet.
ODER AUCH AM ———– UM ————— IM REÄUBERLÄB
- Noch was
Wir sehen uns mit diesen Forderungen in einer Reihe mit vielen anderen Initiativen und Bewegungen die momentan um ein Recht auf eine/ein menschliche/s und soziale/s Stadt/Leben in der Stadt Berlin und weltweit kämpfen.
Wir sind ein Teil des Kampfes gegen die Bebauung des Spreeufers, wir wollen Media-Spree versenken!
We want to Reclaim Your/Our City!
Die Cuvry IST ein Guerilla Garden!
Die Cuvry „occupied“ mit Zelten Berlin!
Die Cuvry ist Besetzt!
…und die meisten von uns wollen Anonymous bleiben.
Nicht zuletzt ist die Cuvry mit ihren Lebensformen die mit bürgerlichen Vorstellungen brechen, und der dort stattfindenden lebenden Kunst, als Annäherung aneinander und an das andere, Teil eines ewig währenden Versuchs die Unterwerfung des Objekt durch das Subjekt zu durchbrechen und bewußt handelndes Objekt zu sein.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Reäuberläb.
Fortsetzung folgt.“



















