Eine Sammlung von Anarchie-As auf Wänden u.a. in Berlin und den Niederlanden.

Fotos/Abbildungen: Bernd Kramer, Robert Halbach, Sigurd Wendland, Arno Giegerich, Peter Hebler, Bernd Wendt, Jochen Köhler, Els de Jong, Eberhard Schlichting.

Karin Kramer Verlag Berlin
Erschienen: 1982
Format: 12x17cm
100 Seiten
ISBN 3-87956-147-8

EDITORIAL: Was heißt denn das nun: geschichteN des (A)?



????????? = !!! + §§

Was heißt denn das nun: geschichteN des (A)?



Dieses (A) hat etwas mit dem lumpen anarchos zu tun. Sein Geburtsort ist anarchopolis, seine Mutter heißt utopia und der wüste Vater stammt aus kanaan.

besondere kennzeichen: keine. aufenthaltsort: überall und nirgendwo. sein lebenswandel hat viel mit dem verpaßten und unangepaßten zu tun, ist knechtschaftsfrei im sinn, kennt nur wahlverwadtschaften, ist allerdings sehr wählerisch im umgang mit seinen sympathisanten. denn das steht lest: als das A noch frei umherzog, nicht eingekreist, zum symbol verknechtet, da war‘s im räuberischen sinne immer auf der flucht vorm eingebürgertwerden.

wenn die chronik stimmt, dann wurde das A Zum ersten mal in frankreich eingekreist. die zeitung le front libertaire veranstaltete in der zeit um 1961 ein preisausschreiben mit der zielsetzung, endlich ein symbol für den anarchismus zu finden. nun kennen wir die verschiedenen entwürfe nicht, aber das A blieb, siegte und verschönt nun, variationsfreudig unsere umwelt, der kreis schloß sich. hier nicht der ort, darüber nachzudenken, was nun dieser symbolismus soll, weshalb es überhaupt notwendig war, in reduzierter form den anarchismus, die anarchie zum kürzel einzukreisen. Es steht lest: für das (A) ist überall noch platz (das zeigen ja auch die bilder).


wie das mit den symbolen ja immer so ist: von herrlich bis blödsinnig reicht ihr anwendungsgebiet: terroristisch, biologistisch sexistisch, eckig, friedlich und auch… künstlerisch.


Der kunstspeziologe sagt: a ha! der figurative eingriff dieser realitätsflüchtlinge ist eine widerspiegelung unserer heutigen unmenschlichen gesellschaft. weiter führt er dann aus (natürlich im solde stehend): unsere ordnung steht unter dem verdacht des unrechts – spätestens hier müßte mar ihn brandmarken (mit dem (A)?).


Aber bitte, keine wutausbrüche.

Wie das nun so in gemeinschaften ist: die temperamente, neigungen, vorlieben und abneigungen der einzelnen mitglieder sind doch recht unterschiedlich. so selbstredend auch bei unserem (A), manche aus dieser sippschaft sind schwer bepackt mit knarren, bomben, messern; andere haben sich mit pazifistischen röschen geschmückt; noch andere sind lesbisch, schwul, päderasten… erstaunlich, wie die sich vertragen. überwältigend auch die großzügigkeit im politischen: da marschiert die RAF neben dem blues, der 2. juni liebkost sein lesbisches schwesterchen, vom schwarzen block aus grüßt der eckige neffe das knast-(A). 



wahrlich, wahrlich, sehr verwirrend. 



verbittert wird‘s aber dann, wenn die geschwister anarchos und chaos sich begegnen. denn alle familienmitglieder behaupten mit einer unerschütterlichen sturheit: das sind überhaupt keine geschwister, die haben nichts miteinander zu tun!!! die rosenpazifisten schreien: anarchie ist nicht chaos, nein, nein, niemals! die noch braveren, beschwörend die hände gen himmel hebend, ereifern sich: nicht wir sind das chaos, sondern der staat. jawoll! und die lernzielanarchisten hüsteln: anarchie ist nicht chaos, sondern ordnung!! „oh scheiße“ , rief da ein punker.