Die Interbrigadas sind eine internationalistische Solidaritätsgruppe aus Berlin, die ihre politische Arbeit mit Wandbildern und Graffiti verbindet. Ihr inhaltlicher Schwerpunkt lag ursprünglich darin, selbstorganisierte Kommunen und Arbeitskämpfe in Lateinamerika zu unterstützen. So organisierten sie regelmäßig Austauschreisen – sogenannte Brigaden – u. a. nach Venezuela, Bolivien, Argentinien und Kuba. Inzwischen sind sie auch in Südspanien aktiv, wo sie die Gewerkschaftsarbeit der Arbeiter in den Gewächshäusern Almerías unterstützen, die dort unter sklavenartigen Bedingungen arbeiten und leben müssen. An den besuchten Orten geben sie Graffiti-Workshops und erarbeiten gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Arbeiterinnen Wandbilder, die deren Kämpfe für soziale Gerechtigkeit darstellen. Im Austausch holen sie unter dem Projekttitel »Aufstand der Farben« Künstler*innen nach Deutschland, so z. B. für das Wandbild am Südblock in Berlin.
Die Gruppe Interbrigadas steht in ständigem Austausch mit politischen Wandmalerinnen in Lateinamerika und Berlin. Mitte der 2000er unternahmen sie mehrere Brigade-Reisen nach Venezuela, das sozialistisch regiert und Hoffnungsträger vieler Linker war. Mehrere Wandbilder entstanden im Jahr 2009 bei einem Graffiti-Workshop im Barrio 70 in Caracas, wo sie zwei Jahre lang intensiv mit dem Nachbarschaftsrat zusammengearbeitet haben und bis heute Freundschaften mit den Bewohnerinnen pflegen. Das Barrio 70 ist eine in den 1970er-Jahren informell entstandene Wohnsiedlung von marginalisierten Menschen. Wie viele andere Barrios hat das Quartier von den Sozialprogrammen der Regierung unter Hugo Chávez profitiert. Caracas besteht zu 40 Prozent aus Barrios, d. h. Backstein- und Wellblechhütten auf Berghügeln. Ein anderes Wandbild ist an einer Grundschule in Rio Tocuyo im Bundesstaat Lara gemalt worden. Ein Grundschullehrer hatte die Interbrigadas eingeladen.
Einige der Wandbilder wurden zusammen mit Sergio Kondori (aka Kondor Vuela) und Valeria Orfino aus Argentinien gemalt, die von den Interbrigadas zwischen 2008 und 2013 regelmäßig nach Bolivien, Venezuela und Deutschland eingeladen wurden. Ein Beispiel ist das Mural für eine besetzte Fischfabrik in Cumaná/Venezuela. Es wurde in Zusammenarbeit mit den Arbeiter*innen entworfen.
Fotos und Text aus dem Buch »Bitte Lebn – Urbane Kunst & Subkultur in Berlin 2003-2021« (Assoziation A, 2022).







