Doku-Magazin zum Vagabundenkongress 2020.

Zum VAGABUNDENKONGRESS 2020 trafen sich Wohnungslose, Nomad*innen, Penner*innen, Traveller und Sympatisant*innen auf dem Mariannenplatz in Berlin- Kreuzberg. Eine Zusammenkunft am Wochenende vom 21. – 23. August 2020 mit Improvisation, Irrititation und Kultur von der Strasse, unter den Bedingungen der Pandemie. Losgehen ohne ankommen zu wollen!

„1929, 1981, 2020: Fast hundert Jahre nach dem ersten Vagabundenkongress rufen wir zur Zusammenkunft, dieses Mal vom 21. bis 23. August 2020, rund um den Mariannenplatz in Berlin-Kreuzberg.“

Dieses Vagabundenkongress-Doku-Heft entstand an zwei Tagen im November 2020 in den Künstlerhäusern Worpswede (Haus1).

Format: A5 quer
Umfang: 84 S
Auflage: 150 ex.

Druck: Digitaldruck
Berlin, November 2020

Vagabundenkongress 2020 – Hintergrund

Vor knapp hundert Jahren gab es mit der internationalen Vagabundenbewegung bereits eine Alternativkultur, die von Obdachlosen getragen wurde. Die »Bruderschaft der Vagabunden« wurde 1927 von Gregor Gog gegründet, war anarchistisch geprägt und stand anarchosyndikalistischen Kreisen nah. Zur Zeit der Weltwirtschaftskrise waren Hundertausende Menschen in Deutschland obdachlos. Die Bewegung gab den umherziehenden »Landstreichern«, den Außenseitern und Ausgestoßenen der Gesellschaft eine Stimme und propagierte die Prinzipien von gegenseitiger Hilfe und Solidarität. Der Bruderschaft fühlten sich Anarchistinnen, Künstlerinnen und Freigeistern aller Art verbunden. Auf dem »Weltkongress der Vagabunden« 1929 in Stuttgart sprachen Autorinnen und Künstlerinnen wie Jo Mihaly, Erich Mühsam, Maxim Gorki oder Theodor Lessing. Gregor Gog rief den »Generalstreik das Leben lang! Lebenslänglich Generalstreik!« aus und machte die Bewegung zum Schrecken der Bürger und Behörden.

Ähnlich wie heutige Alternativbewegungen gründeten die Vagabunden Künstlergruppen, organisierten Ausstellungen, reisten umher, hinterließen Tags in den Straßen (bekannt als Räuberzinken) und trafen sich in anarchistischen Kommunen auf dem Land, um dort ein freieres, selbstbestimmtes Leben führen zu können. Nach 1933 wurde die Bruderschaft von den Nazis zerschlagen, viele ihrer Anhänger wurden als sogenannte »Asoziale« in KZs gebracht. Ihre Geschichte ist in Vergessenheit geraten und wird gerade erst wieder aufgearbeitet.

Mit Siebdrucken, Ankündigungen in Obdachlosen-Zeitschriften und einem eigenen Magazin, das die historischen, theoretischen und politischen Aspekte der Bewegung behandelte, mobilisierte das Czentrifuga-Kollektiv zwei Jahre lang für den Vagabundenkongress 2020. Aufgrund des Ausbruchs der Corona-Pandemie zu Beginn des Jahres konnte der Kongress nur mit großen Eingeschränkungen stattfinden.